Der Anfang

Im Jahr 1948 nach dem 2. Weltkrieg tat sich etwas in Möhren. Otto Brunner und Hermann Gebert setzen sich für die Gründung eines Sportvereins ein. Das „Fußballfieber“ hatte die beiden schon erfasst und sie rannten mit großer Begeisterung dem runden Leder hinterher. Weil jedoch eine Mannschaft aus elf Spielern besteht, trommelten sie noch weitere Fußball-
Begeisterte zusammen, alles junge Männer zwischen 19 und 23 Jahren, und der Spaß konnte beginnen.

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stehend von links: Karl Grimm, Raimund Geist, Horst Schirmann, Otto Brunner, Harry Schmidke
sitzend: Joesf Geist, Hermann Gebert (Tormann), Günther Bernhard

Max Seefried, Josef und Raimund Geist, Karl Grimm, Gerhard Trowe, Günther Bernhard, Manfred und Horst Pyko, Harry Schmidke, Horst Schirmann (Spitzname: Henn) und Fritz Grube waren die Möhrener Fußballpioniere. Auf dem kurzer Hand improvisierten Sportplatz, besser gesagt auf einer Schafweide auf dem Auernfeld am Fußweg Richtung Haag, begannen die jungen Spieler mit dem Trainingsbetrieb. Schon nach einigen Wochen zeigte sich, dass das Vorhaben, einen Verein zu gründen, auch bei anderen Gemeindemitgliedern Gefallen fand. Das Interesse und die Hilfsbereitschaft gingen sogar soweit, dass die Fußballer von Josef Lauterkorn, einem Landwirt aus Möhren, eine Wiese zur Verfügung gestellt bekamen, die sie in Eigenleistung schnell in einem Fußballplatz verwandelt hatten. Darauf wurden die ersten Freundschaftsspiele und weitere Trainingsstunden abgehalten – eine „wilde Liga“ war gegründet.

Keine halben Sachen in Möhren

Man wollte aber in Möhren auch in Bezug auf Fußball keine halben Sachen machen und nach einer kurzen „Probezeit“ wurde im Herbst 1948 der SV Möhren ins Leben gerufen. Das hohe Ansehen zeigt sich darin, dass der damalige Bürgermeister Konrad Kobras selbst sich als erster Vorstand dem neuen Verein zur Verfügung stellte. Die Begeisterung daraufhin wurde immer größer. Es konnte sogar eine zweite Mannschaft aufgestellt werden. Die ersten Punktspiele in der damaligen C-Klasse gegen Mannschaften aus Monheim, Kaisheim, Harburg und Wörnitzstein trugen die Möhrener in ihren besten weißen Sonntagshemden aus, da für die Anschaffung von Trikots noch kein Geld vorhanden war. Aber auch ohne einheitliche Kleidung zeigten die Möhrener Spieler gute sportliche Leistungen und ein beachtlicher Mittelplatz war der Lohn in der ersten Punktspielsaison.

Das liebe Geld und andere Sorgen

Trotz unerschütterlichem Enthusiasmus, spielerische Erfolge und hoher Akzeptanz bei der Gesamtbevölkerung hatte der junge Verein mit großen Problemen u.a. finanzieller Natur zu kämpfen. Schon 1951 droht der Bayerische Landessportverband mit der Vereinsauflösung, da der SVM bei ihm mit DM 52,80 in den roten Zahlen stand. Es bestünde für die Spieler in Zukunft kein Versicherungsschutz, für etwaige Unfallfolgen könnte nichts bezahlt werden, falls der Verein nicht unverzüglich seine Schulden begleiche.

Jedoch nicht nur der SVM hatte in dieser Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen, auch die jungen Spieler hatten Mühe, sich eine Existenz aufzubauen. Viele aktive Spieler zogen aus beruflichen Gründen weg und es stellte sich ein akuter Spielermangel ein. Obwohl die Möhrener in der C-Klasse immer recht gute Leistungen geboten hatten und nie weiter unten als auf dem sechsten Taballenplatz zu finden waren, konnte 1954 keine Fußballmannschaft mehr aufgestellt werden, was automatisch zur Einstellung des Spielbetriebs führen musste. Der SVM ruhte, er wurde jedoch nicht aufgelöst.

Der 2. Anlauf

Otto Brunner konnte die fußballlose Zeit in Möhren nicht mehr aushalten. Wieder ergriff er die Initiative und wieder gelang es ihm, das Interesse am aktiven Fußballsport im Dorf zu wecken und eine neue „Elf“ ins Leben zu rufen.

Im Mai 1956 erfolgte die Wiederanmeldung beim Bayerischen Landessportverband und Bayerischen Fußballverband. Die alten Schulden wurden beglichen, die Spielerpässe angefordert und der Spaß konnte wieder beginnen. Die neue Elf spielte jetzt allerdings nicht mehr im Kreis Schwaben, sondern ließ sich aus finanziellen Gründen spieltechnisch in den Kreis Mittelfranken eingliedern. Die Anfahrtswege waren einfach zu weit und hätten die ohnehin Mittel des Vereins überschritten.

Die Fußballer meldeten sich bei der C-Klasse Weißenburg an und hatten jetzt Dietfurt, Alesheim, Schambach und Langenaltheim als Gegner. Die Möhrener Spieler Walz, Blach, Held, Kobras und Rummel kamen zurück aus benachbarten Fußballvereinen, der Fußballplatz wurde etwas aufgefrischt und Möhren war gerüstet für den Beginn der Punktspielsaison.

Der frische Wind zeigte sich nach einigen Begegnungen auch an den spielerischen Leistungen. Schon nach der ersten Saison erreichten die jungen Spieler einen Platz im oberen Tabellendrittel. Ganz Möhren war begeistert. Die Anzahl der Vereinsmitglieder verdoppelte sich von 45 auf 90 innerhalb von zwei Jahren (1956 – 1958) und der Verein machte sich auf die Suche nach einem neuen Platz.

Mitgliederwerbung, Jugendarbeit großgeschrieben

Um den eben wiederbelebten Verein am Leben zu erhalten und sein Fortbestehen zu
Sichern – man hatte aus den Erfahrungen von 1954 gelernt (Spielermangel) – richtete sich das Hauptaugenmerk der damaligen Vorstandschaft Neuschwender, Lippert, Pröll und Hörauf auf die Mitgliederwerbung und die Einbindung des ganzen Dorfes.

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Im Protokoll der Generalversammlung vom 14.1.1956 steht:
„…Zugleich bitten wir alle Einwohner von Möhren um Mithilfe durch tatkräftige Unterstützung! Werdet Mitglied und vertraut uns Eure Kinder an, die uns besonders am Herzen liegen!…..Für sittliche und moralische Reinhaltung innerhalb unseres Sportvereins bürgt der Vereinsausschuß!…..“

Die Bemühung der Vorstandschaft in dieser Zeit waren in vielen Beziehungen vom Erfolg gekrönt. Das Interesse der Möhrener am SVM nahm zu. Der Verein konnte aus seinen Reihen eine 1. Mannschaft, eine Seniorenmannschaft und eine Jugendmannschaft rekrutieren, die sich auch von den spielerischen Leistungen her durchaus sehen lassen konnte. Möhren war stolz auf seine Fußballer und die Fans begleiteten die Teams in eigens dafür gemieteten Omnibussen zu den Auswärtsspielen. Derartige „Dorfausflüge“ schweißten die Mitfahrer natürlich zusammen und es entstand eine tragfähige Basis für den Verein.

Der neue Sportplatz

Als die Gemeindeväter unter Bürgermeister Biber sahen, dass der Verein mit so viel Begeisterung angenommen wurde und dass es mit dem SVM stetig aufwärts ging, bemühten sie sich, den Spielern einen adäquaten Platz für einen ordentlichen Trainings- und Spielbetrieb zu beschaffen.

Mit tatkräftiger Unterstützung auch von kirchlicher Seite durch den damaligen Ortspfarrer Leo Mergel wurde am 1.4.1957 der Pachtvertrag über eine Fläche von 3tagwerk, die im Besitz der Pfarrpfründe waren, abgeschlossen. Der jährliche Gesamtschilling von DM 85,–
musste in zwei Halbjahresraten entrichtet werden. Es gab wieder einmal für die Sportsfreunde mehr Arbeit als manchem lieb war. Denn wiederum musste der Platz hergerichtet werden. Aber die Mühe lohnte sich.

Am 15.6.1957 konnte die Sportplatzeinweihung (Spielfeld mit Unterkunftshütte – unser heutiges Sportgelände) feierlich stattfinden. Die Festivitäten fanden im Dorf statt
-Vereinslokal war der Saalbau Möhren- und Freundschaftsspiele am neuen Sportplatz. Der Hin- und Rückmarsch wurde geschlossen mit Fahnenbegleitung vom Dorfplatz aus organisiert.

Bild folgt ! Festgottesdienst mit Pfarrer Leo Mergel

Der Aufstieg

Bei so viel Unterstützung und Engagement ließ auch der sportliche Erfolg nicht lange auf sich warten. In der nächsten Saison gelang der Elf auf ihrem Areal der Aufstieg von der damaligen
C-Klasse in die B-Klasse. Sie belegte zwar nur den 2. Platz, aber weil die B-Klasse verstärkt wurde und die Möhrener sich die Chance nicht entgehen lassen wollte, schlugen sie die Dietfurter Mannschaft im Entscheidungsspiel.

Aufstiegsfoto folgt !

von links nach rechts: Ernst Renner, Hermann Sattich, Karl Kugler, Hans Lobinger, Rudolf Schmid, Ferdinand Regnath, Helmut Weigel, Helmut Bauer, Ewald Walz, Heinz Bösel, Reinhold Lippert

Auch die Möhrener Jugendmannschaft bewegt sich in ihrer Klasse nah an der Tabellenspitze
(1958), so dass der SVM an seinem 10jährigen Gründungstag (22.6.1958) mit Stolz auf seine Aktiven blicken konnte. Das Fest wurde mit einem Pokalturnier der Senioren aus Pleinfeld,
Kaisheim und Obernndorf gefeiert.

Das gesellschaftliche Vereinsleben, Kameradschaftspflege und Geselligkeit wurden beim SVM schon immer hochgehalten. Man hatte zwar wenig Interesse an der Sportbürokratie und nahm nur selten an Verbandsitzungen teil, dafür engagierte man sich mit vollem Einsatz innerhalb des Vereins. 1958 wurde beispielsweise eine Fahrt nach Augsburg zum Länderspiel Deutschland – Bulgarien organisiert.

1959 gab es beim SVM sogar einen Vergnügungsausschuss (Ewald Walz, Willi Rummel, Konrad Kobras, Otto Eisenberger), der sich um das gesellschaftliche Leben innerhalb des Vereins zu kümmern hatte. Es wurden Sommernachtsbälle, Faschingsbälle, Pokalturniere, Lehrfilmabende abgehalten. Dieser Ausschuss hatte einiges zu tun.

Trikots durch Vermittlung des 1. FC Nürnberg

Vier Jahre nach dem zweiten Anlauf des SVM konnten die Möhrener stolz auf ihren Verein sein. Sowohl sportlich als auch kameradschaftlich hatte man sich etabliert. In der Zeit von 1956 bis 1959 verdoppelte sich die Anzahl der Vereinsmitglieder. Aus dem Provisorium war ein stattlicher Verein geworden.

Der Vorstand Josef Neueschwender verstand mit viel Geschick, Mitglieder und Spieler zu Höchstleistungen zu motivieren. Ein solcher Schachzug war seine Anfrage beim 1. FCN nach abgelegten Spielertrikots für seine erste Mannschaft. Bis heute kursiert in Möhren das Gerücht, dass die Möhrener Elf 1959 in einer Garnitur abgelegter Trikots vom Club gespielt hätten. Man war stolz, im Dress beispielsweise von Maxl Morlock gespielt zu haben. Aus den Vereinsakten ist jedoch ersichtlich, dass Herr Neuschwender ein bisschen geflunkert hat. Laut Schreiben von Rechtsanwalt Ludwig Franz (1.Vorstand des 1. FCN) vom 16.7.1959 stellt sich heraus, dass „die getragenen Dresse den Jungen nicht mehr viel nützen; denn auch beim Club ist es üblich, dass jeder Jugendliche sein Dress so lange trägt, bis es praktisch das Waschen nicht mehr wert ist.“
Der 1. Vorstand des großen FCN hatte dennoch ein Einsehen mit dem Möhrener Vereinsvorstand Neuschwender und verwandte sich beim Nürnberger Sporthaus Morlock, das „12 Stück Fußballtrikots darunter ein schwarzes Trikot für den Torwart“ nach Möhren übersandte.

Der SVM wurde auch noch von anderen Seiten unterstützt. So finanzierte der Besitzer der Möhrener Farbenfabrik Hermann Pröll der Mannschaft den Trainer Pfefferer aus Treuchtlingen und die Jugendspieler wurden mit dem Firmenbus zu den Auswärtsspielen gefahren.

Der SVM wird „mündig“ (19.9.1959)

Schon 1958 hatten die Mitglieder in der Jahreshauptversammlung die Vorstandschaft Neuschwender, Lippert, Bösel beauftragt, dem Verein eine schriftlich niedergelegte Satzung zu geben. Sie wurde am 15.1.1958 in das Register des Amtsgerichts Donauwörth eingetragen.
Beim SVM handelte es sich mittlerweile nicht mehr nur um einen fußballbegeisterten Haufen von Jungen und Junggebliebenen. Die Vorstandschaft hatte mehr und mehr mit organisatorischen und verwalterischen Aufgaben zu tun. Die finanzielle Situation hatte sich ebenfalls gebessert und man musste mit dem Vereinsvermögen verantwortungsvoll umgehen. Es war an der Zeit, über eine Eintragung des Vereins im Vereinsregister nachzudenken.

Durch den Notar in Monheim wurde unter dem Namen SV Möhren e.V. 1948 am 19.9.1959 die Eintragung im Vereinsregister Urk.Nr. 1297/59 in Donauwörth vorgenommen.
Diese Formalitäten waren unbedingt Voraussetzung für die in Zukunft geplanten Vorhaben des Vereins. Er war jetzt voll geschäftsfähig geworden.

Weitere Aufbauarbeiten im Verein

Mit dem wunderbaren neuen Sportplatz am Waldrand konnte man zufrieden sein, was jedoch nicht bedeuten durfte, dass man sich auf den bisher verdienten Lorbeeren ausruhen konnte.
Das Clubheim mit zwei Räumen (40 qm, 20 qm) wurde 1960 fertiggestellt. Selbstverständlich hatten wieder bewährte Handwerker aus den eigenen Reihen Hand angelegt und der Vorstand hatte Zuschüsse vom Landessportverband und vom Landkreis Donauwörth locker gemacht. 1961 konnte man in der Jahreshauptversammlung mit Stolz verkünden: Der SVM ist schuldenfrei und sogar 874,84 DM auf dem Konto.

Jugendarbeit

Neben den baulichen Aktivitäten durfte selbstverständlich auch die sportliche Seite des Vereins nicht vernachlässigt werden. Während sich die Vereinsvorstandschaft um das
„Drumherum“ kümmerte, stand dem Verein im Dorflehrer Erwin Hofmann ein Idealist zur Verfügung, der sich um die Jugendarbeit kümmerte und zudem noch direkten Zugang zu den Schülern und Jugendlichen hatte. Die Jugendarbeit wurde daher im SVM, zu dieser Zeit, immer großgeschrieben, wodurch nicht zuletzt die guten Erfolge der 1. Mannschaft zu erklären waren.

Schon 1962 wurde eine Werbeaktion bei der Schuljugend durchgeführt. Interessierte Schüler wurden in das damalige Vereinslokal „Jägersruh“ (Josef Regnath) eingeladen und vom Vorstand Neuschwender für den Sportverein angeworben. Möhren hat wieder eine Jugendmannschaft.

Um den Trainingsbesuch zu erleichtern und wieder mehr Trainingsinteresse auf den Platz zu bringen, mietete der Verein eine Dorfwiese der Firma Kugler für DM 80,– mitten im Dorf. Auch für die Jugend war es besser, in Dorfnähe trainieren zu können.

1963 – ein schwarzes Jahr für die 1. Mannschaft

Das Anmieten des Trainingsgeländes im Dorf hatte natürlich seinen Hintergrund. Die Spieler der ersten Mannschaft, die sich noch in der B-Klasse bewegten – allerdings mit viel Glück und großer Mühe – spielten gegen Ende der Saison auf dem letzten Platz in ihrer Klasse. Sie hatten feststellen müssen, dass es in der höheren Klasse wesentlich härter zugeht und fast kein Spiel mehr für sich entscheiden können. Zu der Frustration über die eigenen Misserfolge kam auch noch, dass sich die Zuschauer wenig diszipliniert am Platzrand verhielten. Öfter kam es zu Ausschreitungen unter den Zuschauern gegenüber den Schiedsrichtern und auch zu Disziplinlosigkeiten auf dem Spielfeld. Misserfolge, Streitigkeiten untereinander und Eigenmächtigkeiten einzelner Spieler wirkten sich auf den Teamgeist nicht förderlich aus. Die unbedingt notwendigen Trainingsstunden wurden, wenn überhaupt, nur noch sehr lustlos abgeleistet und die Folgen ließen nicht auf sich warten. Erschwerend kam noch dazu, dass der langjährige Stammtorwart Ernst Renner, der „manches Spiel durch seine großartigen Leistungen gerettet“ hatte, aus Möhren wegzog.

Der Abstieg in die C-Klasse ließ sich nicht mehr vermeiden.

Auch die Jugendmannschaft hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Aufgrund von Konditionsmangel und Disziplinlosigkeiten bei Auswärtsspielen waren regelmäßig zu wenig Spieler vorhanden. Die Jugendmannschaft wurde nicht mehr zu den Verbandsspielen gemeldet.

1964 – Tiefen und Höhen- „Die Damen kommen“

Aus dieser Zeit gibt es jedoch nicht nur Negatives zu berichten. Die Möhrener Damen beginnen, sich für den Sportverein zu interessieren. Sie wollen „leichteren Sport“ betreiben und verstehen darunter „Gymnastik, Bodenturnen, etc.“ Es gründet sich aus 11 weiblichen Mitgliedern eine Frauenturnriege, die sich am Donnerstag, den 12.3.1964 zur ersten Übungsstunde im Saalbau Sagner um 20.00 Uhr trifft.

Ab 1965 kann dann im Schulhaus der Schulturnsaal auch von den Gymnastikdamen genutzt werden. Im Gegenzug dürfen die Schüler der Möhrener Schule im Sommer den Sportplatz für ihre Schulsportstunde benutzen.

1965 feierte der Ortspfarrer Leo Mergel sein 25jähriges Priesterjubiläum, zu dem ihm auch der Sportverein Möhren offiziell gratulierte.

Schule, Kirche und Vereine prägen das Dorfleben und sind in diesen Jahren jedenfalls noch eng miteinander verbunden.
Eine weitere Dorfgröße, Graf Max von Pappenheim, tritt ebenfalls als Gönner des SVM auf.
Er stiftet 1965 das Holz für die Erneuerung der Torbalken.

Probleme innerhalb der Mannschaft und im Verein

Die sportlichen Leistungen ließen Mitte der 70er Jahre leider zu wünschen übrig, was sich auch auf der gesellschaftlichen Seite des Vereinslebens niederschlug.

Es hatte sich mittlerweile ein Generationswechsel im SVM vollzogen. 1963 endete die Ära Neuschwender, er wurde als Vorstand von Otto Brunner, dem Mann der ersten Stunde, abgelöst. Vier Jahre widmete sich der Fußballaktivist der Führung des Vereins. In bewährter Weise versuchte er, jetzt von der Vorstandsebene aus, wieder einmal das Beste für seinen SVM. Um die Querelen an der Basis, sprich im Spielerlager, zu bekämpfen, setzte er auf Kameradschaft und Gemeinsinn.

Unterstützt von Gerhard Trowe (Kassier) plante Otto Brunner ein Freundschaftsspiel in Italien. Ein Mitglied des SVM, Alfredo Salomoni, konnte den Kontakt in seine Heimatgegend, nach Domegliara, herstellen. Und am 27.5. bis 30.5.1966 traf sich der SVM mit dem
GS Napoleone zum ersten Freundschaftsspiel in Italien. An diesem Ausflug nahmen
47 Möhrener zu einem Reisepreis von DM 25,– für Vereinsmitglieder teil.

Der damalige Mannschaftskader, 1. Mannschaft:
Baustetter Jacky, Anlauff Norbert, Schmidt Adi, Gadinger, Walz Reinhold, Salomoni Alfredo, Bauer Helmut, Rummel Wilhelm, Walz Ewald, Förg Fredl, Schönacher

2. Mannschaft: Baustetter J., Regnath Ferdinand, Gail Gerhard, Meier Josef (Lulu-Sepp), Regnath Josef, Anlauff Helmut, Trowe Gerhard, Klein Werner, Brunner Otto, Buckel Adi, Grillmeier Otto

Die Möhrener Spieler schlugen sich tapfer, aber nur der ungewohnte italienische Wein und die Luftveränderung, sondern auch die Tatsache, dass die Italiener in einer höheren Klasse spielten, brachten die Möhrener Mannschaften um den Sieg.

Dieser erste Ausflug nach Italien begründete eine Freundschaft, die 1968 wieder aufleben und ihre Tragfähigkeit über Jahre hinweg beweisen sollte.

Trotz der sportlichen Niederlage konnten die Vereinsvorstände diese Aktion als Plus auf der kameradschaftlichen Seite verbuchen. Ebenso die Teilnahme des SVM am 60jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe des Schützenvereins Edelweiß (1967) in Möhren zählt zu den gesellschaftlichen Aktivitäten, die über die Kameradschaft den Sportgeist wiederbeleben sollte.

Leider waren die Bemühungen der Vorstandschaft nicht von Erfolg gekrönt. 1967 erklärte Otto Brunner seinen Rücktritt und begründete seinen Schritt mit der Interessenlosigkeit aller
Mitglieder u.a. der Aktiven, die nie Zeit haben und nichts für den Verein tun wollen. Er beklagte den Mangel an Kameradschaft und das schlechte Benehmen am und auf dem Sportplatz (betrunken am Platz, 3 Spielersperren). In der Saison 1967 wurde ein Schiedsrichter k.o. geschlagen, sowohl die 1. Mannschaft als auch die Jugend hatten häufig disziplinarische Probleme, die oftmals vor dem Sportgericht endeten und ein Weißenburger Spieler hatte sogar einmal Privatklage gegen einen Möhrener Spieler erhoben. Bei einer Gesamteinnahme von DM 723,80 (Vereinsbeiträge) schlugen Strafgelder, Fahrten zum Sportgericht und Berufungen mit DM 300,40 zu Buche. Es ist verständlich, dass Otto Brunner vorerst „die Schnauze voll“ hatte und Abstand von seinem Verein, der nicht mehr wiederzuerkennen war, brauchte.

Georg Webel – Das Ende der Talfahrt ist erreicht.

Mit Georg Webel als Vorstand kehrte frischer Wind in den SVM ein, was auch bitter nötig geworden war. Viele früher engagierte, heute frustrierte Mitglieder wollten die Flinte schon ganz ins Korn werfen und den Verein den Rücken kehren. Die Zerwürfnisse innerhalb der Mannschaften, Verletzungen durch undisziplinierte Spielweise und Hinausstellungen von unfairen Spielern führten dazu, dass man über eine völlige Einstellung des Spielbetriebs nachdachte. Sicherlich wäre das ein Weg gewesen, aber bestimmt nicht der beste.

Der Lehrer Erwin Hofmann, gestützt von einigen alten Hasen des SVM, ließ sich in dieser kritischen Phase nicht entmutigen und kämpfte weiter. Er mobilisierte alle zur Verfügung stehenden Kräfte und ließ weiterspielen, wenn es auch mit Reservekickern und den alten Hasen sein musste. Der Erfolg gab ihm Recht. Die Mannschaft arbeitete sich wieder auf einen Mittelfeldplatz hinauf. Auf der Vereinsführungsebene unterstützte die Vorstandschaft unter Georg Webel die Aktiven unermüdlich. Man hatte verstanden, dass sonst alles vor die Hunde gehen würde.

Georg Webel und seine Führungsmannschaft hatten die Probleme erkannt. Im Verein fehlten Kameradschaftsgeist, Zusammengehörigkeitsgefühl und eine gemeinsames Ziel. Mit frischem Mut machte man sich an die Arbeit, zumal das 20jährige Bestehen des Sportvereins zu feiern war (1968). Es wurden Bettelbriefe in alle Richtungen geschickt. Innerhalb des Vereins wurden 803,68 DM gespendet, die Fa. Adidas schenkte den Spielern 15 nagelneue Sporttaschen, aus Weißenburg von der Firma Gutmann gab es neue Sporthosen und sogar der damaligen Finanzminister Franz-Josef Strauß unterstützte den SVM mit einer Geldspende.

Im sportlichen Bereich kam es 1969 zur Gründung einer Tischtennissparte, die anfangs auf
2 vom Schützenverein ausgeliehenen Platten spielten. An Pfingsten 1969 fuhr man mit nahezu 100 Möhrenern wieder nach Domeglira zum internationalen Freundschaftsspiel gegen den GS Napoleone.
Jugendfairnispokalspiele mit den Jugendmannschaften aus Flotzheim, Otting und Gundelsheim wurden in Möhren ausgetragen (3.8.1969)

In der Generalversammlung konnte Georg Webel voll Stolz vermelden, dass 1969 nichts für Strafen ausgegeben worden war. Der erst kurz wieder eingekehrte „gute Geist“ mußte natürlich gepflegt werden. Kameradschafts- und Kegelabende, gemeinsame Ausschußsitzungen mit dem Schützenverein, weitere Italienfahrten und monatlich außerordentliche Mitgliederversammlungen schweißten den Verein wieder zusammen.

Vier verdiente Förderer, „Männer der ersten Stunde“, Bürgermeister Alfons Biber, Hermann Pröll, Andreas Munninger und Konrad Kobras wurden am 25.7.1969 zu Ehrenmitgliedern ernannt und der Jugend als positive Vorbilder dargestellt.

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Die Seniorenmannschaft liebäugelte nach der Saison 1970 sogar wieder mit dem Aufstieg in die B-Klasse; die Chancen dafür standen nicht einmal schlecht. Alles in allem hatte man die Krise in den Griff bekommen und das Ansehen des SVM war insgesamt positiv.
Die Gemeinde reagierte auf die Entwicklung des größten Vereins im Dorf entsprechend. 1970 wurde eine Rücklage von 10.000,– DM zum Bau der schon längst nötigen Wasserleitung zum Sportplatz genehmigt. Die Gemeindeväter zeigten sich weiterhin bis zur Eingemeindung nach Treuchtlingen von ihrer besten, nämlich der großzügigen Seite.
1971 gab es 5.000,– DM als Zuschuß für den SVM, den man in diesem Jahr den Schützenverein zur Verfügung stellte, da die Schützen gerade ihr Vereinsheim bauten.

1972 konnte der gemeindeeigene Sportplatz für DM 4.000,– aus der Vereinskasse und entsprechenden Zuschüssen erworben werden, was sicherlich vor der Eingemeindung nach Treuchtlingen einfacher über die Bühne zu bringen war.

So konnte am 23./24 Juni 1973 das 25jährige Vereinsjubiläum mit einem Pokalturnier gegen den SV Auernheim, den SV Schambach und gegen die italienischen Freunde aus Domegliara auf dem eigenen Platz gefeiert werden. Auch das Sportheim war für das Fest renoviert worden, der Fußboden war mit Marmorplatten und die Decke mit Holz verkleidet worden. Zum Tanz musste man jedoch nach Haag zum Vereinsmitglied Siegbert Mrasek ausweichen.

Die Jahre 1974 – 1980

Ohne große Höhen und Tiefen verging die Zeit. Es gab die üblichen Streitigkeiten und auch die traditionellen gesellschaftlichen Höhepunkte im Verein.

1975 übernahm Willi Rummel, der bisher Spartenleiter war, den Sportverein. Im März 1975 wurde die neue Gasheizung und Gasbeleuchtung im Sportheim installiert. Dass Besitz verpflichtet, wusste man beim SVM. Das Sportheim wurde weiter verschönert, ein Biervertrag mit dem Getränkemarkt Biber (1975) verhalf dem Heim zu seiner ersten Bestuhlung, die gleich mit einem Grillfest am 1. Mai eingeweiht werden konnte. Folge war, dass vom Landratsamt eine Genehmigung für eine Schankwirtschaft eingeholt werden musste, was wiederum zu weiteren Ausbauarbeiten (Abortanlage und Waschgelegenheit) führte.

1976 wurde das Aufstellen der ersten Flutlichtanlage auf dem Möhrener Platz geplant. Die Kosten wurden über einen Spendenaufruf und das Aussetzen der Weihnachtsgeschenke für die Spieler (3 Jahre lang) aufgebracht. Mit dieser Beleuchtung war der SVM Vorreiter unter den Sportvereinen in der Umgebung. Die Treuchtlinger Kickers beispielsweise fragten an, ob sie für DM 80,– im Monat in Möhren trainieren dürften, weil sie selber kein Licht hätten und die Trainingsstunden in der Gesamtschulsportanlage ihnen zu teuer kämen.

Noch immer bemühte sich die Vorstandschaft, den Sportplatz näher ans Dorf zu bringen. Nach wie vor verfügte das Gelände weder über einen Wasser- noch einen Stromanschluß.
Hinzu kam noch der unzumutbare, unbefestigte Anfahrtsweg. Im Rahmen der Flurbereinigung sollte ein Tausch erfolgen, der wie die Gegenwart zeigt, nie zustande gekommen ist. Der SVM besitzt heute ein wunderschönes „Waldstation“, auf das er stolz sein sollte.

Bei den Fußballern schien sich im sportlichen Bereich eine erfolgsversprechende Mannschaft zu entwickeln, die zeitweise etwas übers Ziel hinausschoss, jedoch rein spielerisch gesehen, den Fans viel Freude bereitete. Disziplinarische Schwierigkeiten wurden konsequent von Trainer Erwin Schröder mit Unterstützung der Vorstandschaft durch 4wöchige vereinsinterne Sperren geahndet entsprechend einem einstimmigen Vorstandsbeschluss, der besagte:

„Wer vorsätzlich Fouls oder Tätlichkeiten begeht, muss die Strafen selbst bezahlen und wird je nach Härte evtl. vom Spielbetrieb ausgeschlossen.“

Die Antwort der Aktiven lautete:

„Die Vorstandschaft hat sich nicht über den Spielbetrieb zu äußern, sie soll vielmehr Geld eintreiben und Bier verkaufen.“

Ja, es herrschten raue Töne, wenn´s jedoch drauf ankam, hielten die Spieler und Vorstandschaft zusammen. Willi Rummel versprach der 1. Mannschaft beim Erreichen eines ersten bis dritten Platzes sogar eine Fahrt nach Italien vom Verein.

Die Damenriege legte von 1975 bis 1979 eine „Trainingspause“ ein; erst Elisabeth Gail brachte 1979 wieder genügend turnbegeisterte Damen zusammen und stellt so den Trainingsbetrieb bis heute sicher, eine bestimmt heroische Arbeit.

1979 legte Willi Rummel sein Amt aus beruflichen Gründen nieder und der Verein wurde kommissarisch von Werner Klein, dem 2. Vorsitzenden geleitet bis zum regulären Wahltermin am 6.1.1981. In ihm hatten und hat der SVM einen treuen und zuverlässigen Mann, der immer zur Stelle war, wenn Not am Mann war. Seit 1970 war Onkel Werner, wie er von vielen genannt wurde, immer wieder als 1. oder 2. Vorstand eingesprungen und hatte so den Vereinsbetrieb sichergestellt. In seiner Abtrittsrede wünschte er dem SVM einen Vorstand, der Durchhaltevermögen für die nächsten drei Jahre hat und er nicht wieder als Lückenbüßer einspringen muss.

1981 – Hans Seel wird Vorstand

Nach zwei vom Landratsamt als formal nicht richtig anerkannten bzw. nicht satzungsgemäßen Wahlen konnte im 3. Anlauf Hans Seel am 8.3.1981 als 1. Vorstand für den SVM gewonnen werden. Von vorne herein hielt er nicht damit hinter den Berg, wie er sich eine Vereinsführung vorstellte. Laut Hans Seel muss ein Verein ebenso praktisch, sachlich und wirtschaftlich denken und handeln wie eine Firma. Er hielt nichts von Gefühlsduseleien, vielmehr waren Fakten und Taten gefragt. Selbstverständlich müssten sich einige im Verein auf einen anderen Führungsstil einstellen, aber wenn alle fleißig seien, sachlich Kritik ertragen und Probleme persönlicher Art hintenanstellen würden, würde die Vereinsarbeit allen wieder Spaß machen, versprach der neue Vorstand. Ein neuer Wind pfiff durch den Verein.

Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme in jeglicher Hinsicht – sowohl materiell als auch ideell – stellte Seel die kurz- bis mittelfristige Projektplanung den Vereinsmitgliedern vor. Zunächst setzte er an der Moral der passiven, desinteressierten und enttäuschten Mitglieder an:
„Meine Damen und Herren, wir brauchen Ihre Mitarbeit! Sie sollen mitdenken! Die Zukunftsaufgaben des Vereins können nicht allein von der Vorstandschaft bewältigt werden.“
Er schaffte es tatsächlich, viele schlummernde Kräfte zu mobilisieren und sie für ihren SVM in die Pflicht zu nehmen. In einer Rekordzeit von fünf Monaten gelang es der Vorstandschaft,
mit vielen fleißigen Helfern das Sportheim an das Wasser- und Stromnetz von Möhren anzuschließen. Im Zuge der Baumaßnahmen kam es auch gleich zum Bau einer „pikfeinen Dusche und einer hygienischen Toilette“. 1021 Arbeitsstunden waren geleistet worden und die Mitglieder waren stolz darauf.

Laut Finanzierungsplan für diesen Bauabschnitt waren DM 61.449,– aufzubringen (davon
DM 15.000,– als Eigenleistung in Form von Arbeitsstunden), was größtenteils durch verschiedene Zuschüsse und den Verkauf von unverzinslichen Anleihen an Mitglieder ermöglicht wurde.

Es ging Schlag auf Schlag weiter. Nachdem Seel in der Jahreshauptversammlung 1982 festgestellt hatte, dass 1981 ein gutes Jahr für den SVM war, kündigte er für 1982 den zweiten Bauabschnitt an. Er nahm den allgemeinen Wunsch nach einem Gastraum am Sportheim, das bis dato ja nur aus zwei Umkleiden bestand, auf. Viele hatten das Bedürfnis, nach Spielen oder nach dem Training gemütlich zusammenzusitzen und gemeinsam zu feiern.
Gerade im Hinblick auf die geplante 35-Jahr-Feier 1983 wurde dieses Projekt zum Großteil der Mitglieder begeistert angenommen und fleißig unterstützt.

Als der Bauantrag genehmigt war und das Wetter einigermaßen mitspielte, wurde am
23.3.1982 mit den Bauarbeiten begonnen. Am 1.5.1982 konnten die Maiwanderer vom
SVM im Rohbau eine kleine Baustellenfeier veranstalten und Ende Juni, als das Pokalturnier ins Wasser fiel, rettete das halbfertige Sportheim den SVM vor einer finanziellen Pleite.

Im September 1982 war das Sportheim wieder in Rekordzeit fertiggestellt. Es war zu einem
„bungalowartigen Schmuckstück, das innen mit Marmor ausgelegt ist…“ (Treuchtl.Kurier)
Geworden und konnte am 25.9.1982 eingeweiht werden.

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Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit stellte für die Zukunft eine Erleichterung in finanzieller Hinsicht (Spenden) dar. Nach diesen Kraftakten war man in Möhren jedoch keineswegs ausgebrannt oder geschafft, es wurde noch 1982 der Bau einer Bocciabahn ins Auge gefasst. Viele hatten in Italien den Reiz dieses Spiels kennengelernt und waren ganz heiß darauf, auch in Möhren Boccia zu spielen. Das Boccia-Spiel sprach die verschiedensten Mitglieder an, die bisher im SVM sportlich nicht aktiv werden konnten. Es brachte jung und alt zusammen und förderte die Kameradschaft und Geselligkeit. 1983 wurde die Boccia-Abteilung offiziell als weitere Sparte im Verein aufgenommen.

35 Jahre SVM am 7.5.1983

Bei seiner 35-Jahr-Feier konnte der SVM ein rundherum positives Bild bieten. Sportlich erfolgreiche Aktive, hochmotiviert passive Mitglieder, ein nagelneues Sportheim, idyllisch am Waldrand gelegen, ein Kinderspielplatz, eine Boccia-Bahn und trotz allem keine roten Zahlen auf der Bank beeindruckten die Möhrener und Gäste gleichermaßen.
Nach Schätzungen eines amtlichen Fachmannes stellten die Sportanlagen – Grund und
Gelände – mittlerweile einen Wert von 197.000,– DM dar.
Hans Seel nutzte diesen Anlass, auf die insgesamt positive Entwicklung des SVM zurückzublicken, allen Mitgliedern zu ihren Erfolgen zu gratulieren und verdienten Mitgliedern zu danken und sie offiziell zu ehren.

Die 35-Jahr-Feier bedeutete wiederum einen Einschnitt in der Vereinsentwicklung. Mit immensem Kraftaufwand und bewundernswertem Durchhaltevermögen hatte große Teile der Vereinsmitglieder die Sportanlagen auf Vordermann gebracht. Sie hatten jetzt eine Verschnaufpause nötig und verdient.

1984 wurden zwar weitere große Pläne (Dachsanierung, Gasheizung, Boccia-Bahn-Verkleidung) geschmiedet, jedoch waren zunächst Sparmaßnahmen angesagt. Sowohl mit den finanziellen wie auch mit den körperlichen Kräften musste gehaushaltet werden.

Nach Ablauf der 3jährigen, in vieler Hinsicht erfolgreichen Amtsperiode stellte sich der Ausschuss 1984 wiederum zur Wahl und erzielte ein überwältigendes Ergebnis. Zu den bisherigen Ausschußmitgliedern gesellte sich Josef Sattich, der Spartenleiter der Boccia-Abteilung, eine Sparte, deren Einfluss im Verein stetig zunahm (Breitenwirkung, gesellschaftlicher Charakter des Spiels).

Der Aufstieg in die B-Klasse

1984 – das Erfolgsjahr der ersten Mannschaft – brachte den ersehnten und hart erkämpften Aufstieg in die B-Klasse. Nachdem die „Bernreuther-Elf“ in der Saison 83/84 schon mit 24 : 4
Punkten die Herbstmeisterschaft errungen hatte, war das nächste Ziel der B-Klassenaufstieg. Mit einem Punkt Vorsprung, vor dem SV Schambach, konnte die C-Klasse verlassen werden und eine rauschende Aufstiegsfeier war fällig. Nach dem Aufstieg wurde Hans Reinfurt aus Treuchtlingen als Trainer verpflichtet. Das Engagement und die Motivation der Spieler waren es wert.

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Die anderen Sparten außer Damengymnastik und Boccia befanden sich in dieser Zeit auf dem absteigenden Ast. Im Verein war es allgemein ruhiger geworden, die Jahre 1985 – 1987 brachten wenig Spektakuläres. Trotz einiger gesellschaftlichen Aktivitäten waren insgesamt ein Umsatzrückgang, nachlassende Spendenfreudigkeit und auch im Sportlichen wenig Trainingsfleiß zu verzeichnen. Der SVM hatte das Ende der Fahnenstange erreicht bzw. seinen Höhepunkt überschritten.

Als Erfolg war jedoch zu werten, dass sich die Erste tapfer schlug und sich noch immer in der B-Klasse hatte halten können. 1987 änderte sich dies und der Trainer Reinfurt kehrte seiner Elf den Rücken. Sein Kommentar: „Der Verein kann sich das Geld für einen Trainer sparen, da sportlich und kameradschaftlich nichts mehr geht!“
Außerdem war nur ein Jugendlicher als Nachwuchs für die Erste in Sicht, was diesen Aufwand nicht lohnte.

Dieses leidige Nachwuchsproblem und ständig knappes Spielermaterial zieht sich durch die ganze Geschichte des Sportvereins und erschwert eine zukunftsorientierte Vereinsarbeit ganz erheblich. Mit weit weniger Enthusiasmus und Euphorie stimmte Hans Seel 1987 einer Wiederwahl zu. Er fühlte sich nach wie vor vielen Mitgliedern, die ihn unterstützt hatten, verpflichtet, machte seine Kandidatur jedoch von der ins gesamten Zusammensetzung des Ausschusses abhängig.

Am 4.11.1988 legte er sein Amt aus gesundheitlichen und familiären Gründen endgültig nieder.

Die Zwistigkeiten innerhalb des Vereins hatten weiter zugenommen und die allgemeine Situation im SVM konnte in jeglicher Hinsicht – sportlich, kameradschaftlich und wirtschaftlich – nur als schlecht bezeichnet werden. Gute Spieler aus der ehemaligen
B-Klassen-Zeit hatten ihre Laufbahn beendet, ein paar hatten den Verein gewechselt und einer war sogar ausgewandert. Ins vormals intakte Mannschaftsgefüge waren große Löcher gerissen worden.

„Nicht aufgeben“ heißt die Devise!

Der 2. Vorsitzende Gerhard Gail übernimmt kommissarisch den Verein und wird 1989, unterstützt von Josef Sattich als Stellvertreter, zum 1. Vorstand gewählt. Motiviert durch die zu bewältigenden Probleme – „Wir müssen den Karren aus dem Dreck ziehen!“ und den Willen zu beweisen, dass „wir es gemeinsam schaffen werden“, packte die neue Vorstandschaft an. Gail und Sattich machten sich fit durch Besuche von BLSV-Schulungen und setzten ihr neuerworbenes Wissen gleich in die Tat um.

Die wirtschaftliche Seite wurde zunächst in Angriff genommen, kameradschaftlich schweißte die gemeinsame Arbeit für den SVM sowieso zusammen. Außerdem standen in nächster Zeit wieder größere Ausgaben für die schlecht gefüllte Vereinskasse bevor, weil sich die Idee des
2. Trainingsplatzes langsam zu realisieren schien. Die Finanzen mussten dringend geregelt und aufgestockt werden. Im Zuge dessen musste eine Beitragserhöhung vorgenommen werden, um in Zukunft überhaupt an Zuschüsse vom Sportverband zu kommen. Verhandlungen mit der Stadt Treuchtlingen, der Flurbereinigung, dem Kreis, dem BLSV etc. wurden geführt und viele Mitglieder halfen zusammen.

Der Tag der Ehrungen

Bild folgt !

Am 23.6.1990, dem von Insidern genannten „Tag der Ehrungen“, wurden in einem großen Festakt mit Bierzelt auf dem Sportplatzgelände – das war noch nie dagewesen –
130 verdiente Mitglieder für ihre langjährige Treue zum SVM geehrt. Die Stadt hatte extra vor diesem Fest die Zufahrtsstraße zum Sportplatz teeren lassen. Sämtliche Ehrungen der vergangenen Jahre konnten so nachgeholt werden und die Vorstandschaft festigte damit den Kontakt zur Vereinsbasis, die Kameradschaft und den Gemeinsinn.

1991, als Gerhard Gail eine erweiterte Kandidatur für dem 1. Vorsitzenden aus beruflichen und familiären Gründen ablehnt, kann er berichten, dass der SVM finanziell auf sicheren Beinen steht, dass umfangreiche Investitionen in Heim und Gelände getätigt worden waren
(Ausbau der Küche, Küchengeräte, DM 10.000,– für Dachreparatur, Renovierung der Umkleiden….) und dass der 2. Sportplatz Form annimmt. Vereinsmitglieder, aktive und passive, hatten viele Stunden geopfert, um Steine zu sammeln, Rindenmulch zu verteilen und Unmengen von Sträuchern zu pflanzen. Er konnte zwar mitteilen, dass die Vereins-
Entwicklung sich wieder ins Positive gekehrt hatte (kameradschaftlich und finanziell), allerdings sah er langfristig im fehlenden Nachwuchs Probleme auf den SVM zukommen, für die sich keine Lösung hatte finden lassen.

Diese fehlende Zukunftsperspektive wirkte sich insgesamt demoralisierend auf die aktiven Spieler aus. Wieder hatte ein Trainer aufgegeben und der 13. Platz in er C-Klasse motivierte auch nicht besonders.

Nach diesem Resümee übergab Gerhard Gail den Verein an die neugewählten Vorsitzenden Josef Sattich und Ernst Schöniger, die die Konsolidierung und den „Wiederaufbau“ des SVM weiter vorantrieben.

Josef Sattich – Organisationstalent und Praktiker

Im neuen Vorstand Josef Sattich hatten sich die Mitglieder den richtigen Mann zur richtigen Zeit ausgewählt. Der Ausbau des neuen Sportplatzes musste weiter vorangetrieben werden. Auf der einen Seite war dies ein Anlass zur Freude, andererseits war wenigstens ansatzweise auch jedem klar, wie viel Mühen, Kraft, Zeit und Geld investiert werden müsste, bis auch nur das erste Spiel darauf abgehalten werden konnte. Neben den regulären Vereinsaktivitäten und Geschäften war dies die größte Aufgabe/Herausforderung, die sich der neuen Vorstandschaft in den Jahren 1991 bis 1994 stellte und die mutig und mit Schwung in Angriff genommen wurde.

Josef Sattich verstand es, auch die jungen Vereinsmitglieder in die Vereinsarbeit einzubinden. Unermüdlich arbeiteten sie nach Feierabend und an den Wochenenden gemeinsam mit ihm und anderen Ausschussmitgliedern an ihrem zukünftigen „Stadion“. 1993 war die Renovierung des Sportheims abgeschlossen, d.h. die Umkleiden waren modernisiert, die sanitären Anlagen erweitert, neue Dachrinnen angebracht und das Dach und die Beschriftung außen renoviert worden. Es war jedoch festzustellen, dass von rund 150 erwachsenen Mitgliedern nur 22 tatsächlich Hand angelegt hatten.

Die Zeit drängte. 1994 im Juli sollte die Sportplatzeinweihung im großen Stil über die Bühne gehen. Ende Juni stand die wegen der Berglage unbedingt notwendige Umzäunung (Kosten 28.000,– DM) und der Eingang zum Sportheim war gepflastert worden. Dem Fest stand nun nichts mehr im Wege.

Am 22.7. (Plattenparty – „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“), am 23.7. (Pokalturnier, Ehrungen, Bierzeltbetrieb) und am 24.7. (Platzeinweihung mit Festgottesdienst) wurde ein rauschendes Fest gefeiert, bei dem sich wieder einmal zeigte, dass man in Möhren zu arbeiten und zu feiern versteht.

Der bisher freundschaftliche Kontakt zum AWO-Pflegeheim Möhren (Freundschaftsspiele, gegenseitige Einladungen zu feiern) festigte sich durch die Gründung einer Behinderten-
sportgruppe beim SVM. Der Verein gewann so am 4.11.1994 30 neue Mitglieder, darunter zwei Übungsleiter.

Am 18.3.1995 stellte sich Josef Sattich aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder der Wahl und Gerhard Gail und Franz Bernreuther wurden zu neuen Vorständen gewählt. Dank der
Geschäftstüchtigkeit von Sattich stand der Verein trotz Platzneuanlage, Mammutfest, Renovierungen etc. finanziell bestens da. Bandenwerbungsverträge stellten regelmäßige Einnahmen für mehrere Jahre sicher.

Erste Aufgabe der neuen Vorstandschaft war, die schon finanzierte Flutlichtanlage aufzustellen. Der neue Platz machte die Anschaffung eines Spindelmähwerks notwendig.

1995 war nach all diesen Anstrengungen ein ruhiges Jahr. Es wurde lediglich laufende Unkosten gedeckt und die traditionellen Veranstaltungen abgehalten.

Franz Bernreuther legte sein Amt aus persönlichen Gründen noch 1995 nieder und Raimund Kießwetter trat als 2. Vorstand seine Nachfolge an.

Als Chronistin bedanke ich (Christa Sattich) mich bei allen, die mich bei meiner Arbeit für den SVM unterstützt haben und mir mit Bildmaterial und Erzählungen zur Seite gestanden sind.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Gerhard Trowe, der mir eine wertvolle Hilfe war, und meinem Vater Josef Sattich, der mich immer wieder unter Druck gesetzt hat und mich so überhaupt bei der Stange gehalten hat.

Die Chronik wurde im Zuge des 50jährigen Jubiläums des Sportvereins Möhren von Christa Sattich erstellt. Der SVM bedankt sich recht herzlich für diese aufwendige und vor allem
hervorragenden Arbeit bei Christa Sattich.